Leseproben

Es ist kalt. Der Sommer pfeifft uns was. Die ideale Voraussetzung für  die RUNA II Leseprobe (vor Letztschliff), damit ihr euch schon drauf einstellen könnt was euch in Kürze erwartet:


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„Sag mal spinnst du?“, fassungslos starrte Chris Baldur an.
Der große Mann war stehengeblieben, hatte sich umgedreht und sofort sein Schwert gezogen. Chris war schon an Kummer genug gewöhnt aber die Realität überraschte ihn immer wieder aufs Neue. Dementsprechend ignorierte er die Warnungen seines Gehirnes, dass es wahrlich nicht klug ist, einen schwer bewaffneten Krieger anzumotzen. Aber es war ja Chris, von dem nicht nur die Bestimmungen die Schnauze voll hatten.
„Na komm, bringen wir es hinter uns. Du knallst mir eine auf die gute Asenart und sagst mir, was ich nicht für ein Narr bin und anschließend überschüttest du mich mit endloser Klugscheisserei. Wenn du damit fertig bist, kann ich dir dann endlich sagen, dass der Gang immer enger wird. Ok, machen wir es so?“, presste Chris heraus. Dann lehnte er sich gegen die feuchten Wände des Gangs und schloss seine Augen.

… die Wolken verschwammen und Baldur sah, dass er sich in dem dunklen Gang in Hels Hall befand. Er starrte auf sein gezogenes Schwert und hörte in weiter Ferne eine Stimme. Baldur erblickte den Fremdling, der etwas zu sagen schien. Als er genauer hinhörte, vernahm er die frechen Worte seines Begleiters. Baldur steckte die Klinge weg und trat einen Schritt auf Chris zu. Er holte weit aus und schlug ihn mit der flachen Hand auf die rechte Wange. Der Kopf des Beschützers knallte hart gegen die Wand und rutschte daran herab bis er auf seinem Allerwertesten zu sitzen kam.
„Helm. Warum trägst du keinen Helm?“, dabei zeigte Baldur auf seinen Kopf.
Chris, der sich gerade dachte, warum es immer ihn zuerst trifft, war von dieser Reaktion nicht wirklich überrascht, aber er hatte sie nicht kommen sehen. Es ärgerte ihn, dass er schon wieder Schmerzen hatte, und legte seine Hände auf seine Oberschenkel. Die Feuchtigkeit des Gangbodens drang durch seine Hose. Chris blieb sitzen und schloss vor Zorn keuchend fest die Augen.
„Und jetzt die Klugscheisserei. Der Narr ist bereit“, presste er heraus, lehnte sich mit brummenden Kopf gegen die feuchte Wand und wartete auf das Unausbleibliche.
Baldur hockte sich direkt vor Chris auf dem Boden und nahm dessen Kopf in beide Hände. Er betrachtete ihn diesmal genauer und blickte tief in die Seele dieses komischen Wesens. Entweder lag es an der Ausstrahlung dieser Welt oder am Ausbrechen Ragnaröcks, dass Baldur nicht tiefer in den Fremdling eindringen konnte. Aber was er gespürt hatte, war nicht in Asgard entstanden. Irritiert ließ er den Kopf des Fremdlings aus.
„Du musst deine Gefühle besser kontrollieren, Fremdling. So wird dir nur Schmerz widerfahren. Zuerst werde ich dir ziemliches Verhalten in der Schlacht beibringen. Du bringst uns in größte Gefahr, wenn du es weiter an Disziplin mangeln lässt. Hast du mich auch gut verstehen können, was ich gerade zu dir sagte?“, sprach Baldur ruhig und sah sein Gegenüber fest in die Augen.
„Der Gang wird immer enger“, und Chris grinste breit.
Baldur wusste jetzt warum dieser geschundene vorlaute Mann in Hel war. Er wusste aber auch, dass es seit Bestehen Hels noch keinem Lebewesen gelungen war diesen Ort zu verlassen. Baldur war bereit alles für seine Mission zu tun. Wenn er seine Augen schloss, sah er noch immer dieselbe Botschaft, die er vor dem Start auf dem Monitor der Fafnir gelesen hatte:

„Die Zeiten sind vergangen und das Horn ist verloren. Du musst die Fafnir wohl ans Ziel führen. Wenn die Zeichen klar zu sehen sind, dann musst du dein Opfer bringen. Erschüttere die hellen Welten, gib ihnen den Zorn und die Wut wieder und dringe ein in die Halle der Hel. Begleite das alte Wesen aus Midgard. Schütze ihn mit deiner Seele. Die Einherjer müssen Walhall verlassen. Und Fafnir muss sie erwarten. Mögen dir die Altvorderen beistehen. Ich gebe dir den Krieger Hödur mit, er wird es sein der dich zu Hel schickt, kein andrer sonst wird es verrichten. Wir aller sind uns unseren Schicksalen bewusst, auch das deine ist schon seit langer Zeit von den Nornen gewoben, deshalb werden wir es bewusst verändern. Gehe nach Hels Hall.“

Baldur riss seine Augen auf. Zuviel Zeit war schon verloren. Der Narr blickte ihn bewegungslos an und begann leise und langsam zu reden:
„Ich hab gehört was du eben gesagt hast, aber nur die Hälfte verstanden. Stimmt es, dass du hier bist, um mich zu beschützen?“
„Ja. Du scheinst sehr aufmerk…“, antwortete Baldur und wurde mitten im Satz von Chris unterbrochen.
„Bist du der Schrift kundig?“
„…sam“, Baldur legte seine Stirn in Falten und sein Helm bewegte sich etwas.
„Kennst du Sprachen und Schriften? Wenn ja, wie viele?“, fragte Chris, jetzt etwas lauter als zuvor und setzte sich aufrechter hin.
„Ich bin runenkundig und kenne die Schriften der alten und neuen Welten. Deine Fragen sind verwirrt, Fremdling.“
„Gut. Wo ist die Halle der Welten? Die Eingangshalle!“, dabei versuchte Chris aufzustehen, was ihm aber erst nach dem dritten Versuch gelang. Torkelnd vom schwachen Kreislauf, lehnte er sich mit einer Hand an der kalten Wand an. Kurz glaubte Chris ein zartes Pulsieren der Wand zu bemerken, aber er hatte keine Zeit sich um das genauer zu kümmern.
Baldur hatte sich zugleich mit dem Fremdling aufgerichtet und hielt ihn mit beiden Händen an den Schultern fest, damit dieser nicht umfiel. Er hatte die Frage genau verstanden und versuchte sich das Gebäude von außen wieder vorzustellen und wie weit er sich hier im Westtrakt bewegt hatte. Aber er hatte die Orientierung verloren. Zu oft hatte dieser Gang in wilden Abzweigungen seine Richtung geändert. Er kam hier mit seinen feinen Empfindungen und Gespür nicht weit, denn die dunklen Einflüsse, hier in Hels Hall, waren zu dominant. Baldur hatte Angst, dass er seine Seele verlieren würde, wenn er sich hier emotionell weit öffnen musste. Er sah, dass der Narr ihn mit seinen Blicken fixierte und auf eine Antwort wartete. Wortlos drehte er sich um und ging den Gang weiter in die unbekannte Dunkelheit hinein. Stellenweise waren die Wände dunkel und kein Licht drang durch die Finsternis. An diesen Stellen zog Baldur sein Schwert und tastete sich damit an den Wänden entlang, bis sie wieder an Stellen kamen, an denen wieder ein bläuliches Licht den Gang mit schwachem Schein erhellte. Baldur vergewisserte sich mehrmals, dass der Narr auch gut mithalten konnte. Als sie nach mehrmaligen Richtungswechseln des immer enger werdenden Ganges komplett die Orientierung verloren, hielt Baldur abrupt an und spürte, dass der Narr gegen seinen Rücken stieß.
„Wir haben dein Ziel erreicht.“
Chris, der nicht mehr wusste, wie lange sie schon in der Dunkelheit herumgeschlichen waren, spürte das Brennen auf seiner linken Gesichtshälfte, als er gegen den Rücken seines hünenhaften Begleiters stieß. Chris hatte sich komplett in sich zurückgezogen. Der scharfe kurze Schmerz ließ ihn sofort wieder in der Realität des düsteren Ganges zurückkehren. Wie durch Watte vernahm er die Stimme Baldurs.
„Wir haben dein Ziel erreicht.“
„Sieht mir aber nicht nach einem hedonistischen Freudenhaus aus“, stieß Chris müde hervor. Er spürte, dass der Hüne sich zu ihm herabbeugte. Er konnte bereits seinem warmen Atem auf seiner wunden Wange spüren.
„Nur dieses eine Tor trennt uns von der Halle der Welten“, hörte er Baldur flüstern.
„Woher weißt du das?“, fragte er leise.
Statt einer Antwort drehte sich Baldur auf die Seite. Chris sah, dass ein Hindernis ihnen den Weg versperrte. Neugierig drängte er sich an Baldur vorbei, bis er direkt vor dem scheinbaren Ende des Gangs stand. Im flackernden bläulichen Licht konnte er erkennen, dass es sich um ein schweres dunkles Holztor handelte, auf dem einige eckige geschriebene Zeichen geritzt waren. Das Tor und die Zeichen schienen so alt wie die Welten zu sein. Ohne sich umzudrehen, fragte Chris mit leiser Stimme:
„Du weißt es, weil es hier steht?“
Baldurs Antwort bestand darin, dass er Chris an den Schultern packte und ihn wieder hinter sich zurückzog, dann wandte er sich wieder dem Tor zu. Seine Finger glitten über das alte Holz. Ohne sich umzudrehen, begann Baldur sich am Tor zu schaffen zu machen, aber er konnte weder einen Mechanismus entdecken noch spürte er Schwingungen aus dem dahinterliegenden Raum. Auf seiner Stirne zeichneten tiefe Falten der Sorge bizarre Schatten. Zum ersten Mal seit er hier in Hel gelandet war fehlte Baldur die Zuversicht auf seine nächsten Taten. Langsam nahm er seine Hände vom kalten Holz und legte sie vor sein Gesicht.
„Oh Mutter! Gib mir hier und jetzt die Kraft …“
Das flackernde bläuliche Licht ging mit einem kurzen und intensiven Aufleuchten aus und beklemmende Dunkelheit legte sich über die beiden. Während Chris seinen Herzschlag bis tief unter die Schädeldecke hämmern hörte, war es in Baldurs Kopf still. Dies nahm Baldur, Friggas Sohn, jetzt zum ersten Mal wahr. Er riss sich den Handschuh von der rechten Hand und fasste sich an seinen Hals. Er konnte die Hauptschlagader, dicht neben dem Kehlkopf, klar ertasten, doch so sehr er sich auch darauf konzentrierte, Baldur, Friggas Sohn, stellte fest, dass sein Herz nicht schlug.
„Ich stehe hier vor Hels Hall und mein Herz ist kalt! Nichts gibt`s mehr zu verlieren. Die Liebste weit und fern. Kein Lachen mehr auf allen Welten. Die Tage sind vorüber! Ich bin Baldur und ich fürchte mich nicht!“, schrie er und drehte sich wieder zur Tür um.
Es dröhnte wie ein dumpfer Trommelschlag, als Baldurs Hände auf die Türe knallten. Dort wo seine Finger aufschlugen, leuchtete sie in einem schwachen Rot auf. Ein leises aber dennoch wahrnehmbares dumpfes Dröhnen, welches seinen Ursprung hinter der Türe zu haben schien, verbreitete sich in dem engen Gang. Baldur konnte die Schwingungen deutlich spüren. Er presste seine Hände fester gegen das immer intensiver leuchtende Tor. Die Schwingungen durchdrangen ihn, und gerade als es schien, dass er in das Tor eindringen würde, riss ihn etwas hart heraus. Das Licht verblasste und Baldur landete hart auf etwas Weichem.
„Runter von mir!“, stöhnte Chris und versuchte sich von der Last des großen Kriegers zu befreien.
„Warum hast du dies getan, Frischling?“, erwiderte Baldur, als er sich wieder erhob.
„Was ist in der Halle?“, fragte Chris und versuchte keuchend aufzustehen, was ihm aber erst nach dem zweiten Versuch gelang.
„Und deshalb …“
„Ja genau deshalb. Ich bin kein Krieger, so wie du, Baldur. Ich bin kurz vor dem Verrecken und hab noch so viel zu tun. Aber eines mit Sicherheit nicht. Unvorbereitet zu den klickenden Monstern zurückzukehren“, stieß Chris ungeduldig heraus und kämpfte gegen seinen kollabierenden Kreislauf an.
Baldur strich Chris durch das Haar.

„Fürchte dich nicht. Bleibe dicht hinter mir“, sprach er mit ruhiger Stimme und wandte sich wieder der Türe zu.
Chris war zu übel um die Antwort zu geben, die ihm auf der Zunge lag. Seine Trommelfelle dröhnten und er vernahm wie durch Watte, dass der Hüne die Türe einzutreten begann. Erst der harte Knall, den der Aufschlag des schweren Holztores verursacht hatte, holte Chris wieder in die Realität zurück. Er sah den schwachen warmen Lichtschein, der zuckend die Dunkelheit durchbrach. Fasziniert, die Schmerzen vergessend, bewegte sich Chris durch das eingetretene Tor. Er betrat einen Saal, der schier endlos in Höhe, Breite und Tiefe zu sein schien. Die Lichtquelle befand sich etwa hundert Meter rechts von ihm entfernt. Es hatte für ihn den Anschein als würde dort ein heißes Feuer entfacht worden sein. Chris ging an dem Hünen vorbei und drehte sich um. Im zuckenden Schein des Feuers sah er, dass die Wände der Halle voller Zeichen, Schriften und Symbole waren. Ab und zu konnte er eine Zeichnung entdecken, aber er kannte weder die Schrift noch die Darstellungen. Er sah wieder in die Richtung des Feuers.
„Wo sind wir?“
„An deinem Ziel. Hels Hall“, antwortete Baldur und ging auf Chris zu. Als er ihn erreicht hatte, legte er seine Hand auf dessen Schulter und klopfte dreimal darauf.
„Bist du dir da ganz sicher?“, fragte Chris mit halblauter Stimme und sah sich weiter um.
„Sieh selbst. Die Schrift der Altvorderen. Die Symbole des Regulativs, und siehe dort …“, dabei zeigte Baldur auf einen großen Schatten, der sich etwa zehn Meter von ihnen entfernt befand …

—> WEITER GEHTS IN RUNA II - tage des donners.

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One Response to “Leseproben”

  1. Survial Tipps vom Autor des RUNA epos. – thomasschopper Says:
    Januar 29th, 2016 at 08:29

    [...] Leseproben [...]

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